Tagung 2020: Fachliche Bildung und digitale Transformation in Regensburg

Fachliche Bildung unterliegt grundlegenden Veränderungen im Zei­chen digitaler Transformation. Diese zeigen sich auf der Ebene fachli­chen Lehrens und Lernens. So wandeln sich die Rollenverteilung von Lehrenden wie  Lernenden und das Bewusstsein darüber, wie Verant­wortung in beiden Gruppen verteilt  und genutzt werden kann. Lern­zeiten lassen sich individualisieren und Schülerinnen und Schülern er­öffnen sich neue Räume für selbstgesteuertes und partizipatives fach­liches Lernen. Zugleich sind digitale Formen der Gewinnung, Darstel­lung, Vermittlung und Aneignung fachlichen Wissens  und fachbezo­gener Fähigkeiten weit mehr als neue Werkzeuge des Lehrens und Lernens im Fach. Vielmehr unterliegt jedes Fach und jede Fachdidak­tik auf je eigene Weise einem Prozess digitaler Transformation. Die­ser schließt fachdidaktische Forschung und die Anforderungen an die Lehrerbildung in der ersten, zweiten und dritten Phase mit ein. Auch Fragen digitaler Ethik im Zeichen von Algorithmisierung, Big Data und KI sind berührt.

Die Tagung wird von der Gesellschaft für Fachdidaktik (GFD) ausgerichtet. Die GDF ist der Dachverband der fachdidaktischen Fachgesellschaften in Deutschland, in der auch die DVPB Mitglied ist.

Weitere Informationen finden sich auf der Website der Regensburger Universität: https://www.uni-regensburg.de/physik/didaktik-physik/gfd-tagung-2020/index.html

Neue Impulse: Vorstandsklausur in Heppenheim

Etwa ein Jahr nach der Wahl des aktuellen DVPB-Landesvorstandes in Hessen fand am 29.11. und 30.12. in Heppenheim (Haus am Maiberg) die Vorstandsklausur statt. Diskutiert wurde unter anderem ein Positionspapier mit der Forderung nach einer Stärkung der politischen Bildung in allen Phasen der Lehrerausbildung und im Verhältnis zur Demokratiepädagogik, beschlossen wurde unter anderem die Durchführung verschiedener Veranstaltungen im Jahr 2020.

Weitere Informationen folgen demnächst im Jahresbrief der DVPB-Hessen!IMG-20191204-WA0000

Tagungsbericht “Das Politische in ‘unpolitischen’ Disziplinen”

von Philipp Klingler

Für eine zweitägige Fachtagung unter dem Titel „Das Politische in unpolitischen Disziplinen” trafen sich am 30. September und 1. Oktober 2019  politische Bildner/innen aus der Schule und der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung, Lehrer/innen ganz verschiedener Fächer und Wissenschaftler/innen aus Politikwissenschaft, Politischer Bildung und Sozialer Arbeit im Haus am Maiberg (Heppenheim). Benedikt Widmaier, erster Vorsitzender der DVPB Hessen, hat in Kooperation mit den Landesverbänden der DVPB Hessen und Baden-Württemberg sowie der Heidelberg School of Education diese Tagung organisiert.

Anlass für die Tagung sind die Entwicklungen in Deutschland und der Welt in den letzten Jahren: Obwohl die Öffentlichkeit politisiert wie seit einigen Jahrzehnten nicht mehr wirkt (siehe etwa die Fridays for Future-Bewegung), sieht sich die politische Bildungsarbeit durch Meldeplattformen der „Alternative für Deutschland“ unter Druck gesetzt. Wird Kontroversität zunehmend als störend für die Gesellschaft und die politische Bildungsarbeit selbst gesehen, entpolitisiert sich diese in gefährlichem Maße. Vor diesem Hintergrund diskutierten Teilnehmer/innen aus verschiedenen Handlungsfeldern der politischen Bildung über Politisierung, Entpolitisierung und den politischen Gehalt von unpolitisch wirkenden Disziplinen, wie etwa den Naturwissenschaften.

Den Auftakt gestaltete Juniorprofessor Dr. Alexander Wohnig (Universität Siegen) entlang der Frage, was das Politische in der politischen Bildung eigentlich sei. Er ging von der These aus, dass die politische Bildung in Theorie, aber auch Praxis, unter einer zunehmenden Entpolitisierung und Individualisierung politischer Angelegenheiten leide. Vor diesem Hintergrund machte Wohnig deutlich, dass die Frage nach dem Kern politischer Bildung aktueller denn je ist, will politische Bildung noch ihrer Zielvorstellung mündiger Bürger/innen nachkommen. Anhand seiner empirischen Untersuchungen zeigte Wohnig exemplarisch auf, wie in sozialen Projekten (service learning) auch das politische Lernen umgesetzt werden kann.

Stefan Schäfer (TH Köln) sprach anschließend aus Sicht der Sozialen Arbeit über die Immanenz des Politischen in der Jugendarbeit und Jugendbildung. Er plädierte für eine Soziale Arbeit, die nicht nur das Individuum, sondern auch die Gesellschaft fokussiert. Da das Politische dem gemeinsamen Leben inhärent sei, müsse Soziale Arbeit eine partizipatorische Perspektive im Sinne ihrer Adressat/innen einnehmen.

Die außerschulische politische Bildung an Volkshochschulen war Thema eines Vortrags von Jun.-Prof. Dr. Alexander Wohnig und Dr. Veith Selk (TU Darmstadt). Unter dem Titel “Politischer Populismus überall” stellten sie ein Weiterbildungsangebot für Dozierende an Volkshochschulen zum Themenfeld (Rechts-)Populismus vor.

Diese Vorträge dienten als Vorbereitung für vier Workshops, die sich alle mit dem “Politische in unpolitischen Disziplinen” befassten: Dr. Thomas Schneidermeier vom Goethe-Gymnasium Bensheim und dem Zentrum für Chemie berichtete zu den Möglichkeiten politischer Bildung in den MINT-Fächern, insbesondere Chemie. Er stellte das Projekt „Schule 3.0 – Chemie“ des Zentrums für Chemie (ZFC) vor und zeigte dabei, wie naturwissenschaftliche zugleich gesellschaftliche Themen sind. Ralph Blasche (Neue Gymnasiale Oberstufe, Frankfurt) stellte theoretische Zusammenhänge und praktische Anknüpfungspunkte zwischen Deutschunterricht und politischer Bildung vor. Dabei verdeutlichte er die schon jetzt vorhandenen Möglichkeiten und Perspektiven des Deutschunterrichts an dem geltenden Kerncurriculum in Hessen. In einem zweiten Slot beschäftigten sich Maria Schneider (Universität Gießen) mit Religion als Thema politischer Bildung und Marcel Studt (Heinrich-Kleyer-Schule, Frankfurt) mit dem politischen Gehalt des Ethikunterrichts.

Der Tag wurde durch ein gemeinsames Résumé, moderiert von Benedikt Widmaier, zusammengefasst. Im Zentrum der Plenumsdiskussion stand die Frage, wie man den politischen Gehalt scheinbar “unpolitischer Disziplinen” stärker in den Vordergrund rücken könne.

Der zweite Tag wurde mit der Vorstellung der Leitperspektive Bildung für nachhaltige Entwicklung von Johanna Weselek (Heidelberg School of Education) und dem neu herausgegebenen Leitfaden Demokratiebildung von Robert Feil (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) in Baden-Württemberg begonnen. Anschließend stellte Theresa Rütermann (Uhland Grundschule, Mannheim zurzeit abgeordnet an die Heidelberg School of Education) ihr entwickeltes, durchgeführtes und evaluiertes Praxisprojekt zu politischer Bildung mit Grundschüler/innen vor.

In gemeinsamer Diskussion wurden die Erkenntnisse sowie die offenen Fragen der Veranstaltung zusammengefasst und mit Hinblick auf ihren Transfer hinterfragt. Einig waren sich alle Teilnehmer/innen, dass Bildung niemals unpolitisch sein kann – und darf!  Durch das Zusammenkommen der verschiedenen Akteure der politischen Bildungslandschaft – von Lehrer/innen, politischen Bildner/innen in außerschulischen Zusammenhängen über Hochschullehrer/innen und auch Mitarbeiter/innen der Transferstelle für Politische Bildung (ihr Tagungsbericht ist hier zu finden) – wurden zahlreiche Perspektiven der zukünftigen Kooperationen in diesen grundlegenden Fragen und zentralen Herausforderungen gefunden.

Angebot für Neumitglieder!

Neumitglieder in der DVPB Hessen haben seit kurzem die Möglichkeit, als Vorteilsangebot ein Jahr kostenlos die Hefte der „Wochenschau“ aus dem Wochenschau Verlag zu testen. Ein Antragsformular findet sich unter “Mitglied werden”

Fachtagung “Das Politische in ‘unpolitischen’ Disziplinen”

Vom 30.9.2019 bis 1.10.2019 (Beginn der hessischen Herbstferien) findet im Haus am Maiberg in Heppenheim eine Fachtagung zu dem Thema ”Das Politische in ‘unpolitischen’ Disziplinen” statt.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter

https://www.haus-am-maiberg.de/wp-content/uploads/2019/07/das-politische-bw190930-einladung-anmeldung.pdf

 

„Wer hat dem wird gegeben“, Untersuchung zur politischen Bildung in Deutschland

Politische Bildung ist ein zentraler Auftrag von Schule, eine Untersuchung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt jedoch, dass dies in unterschiedlichen Schulformen sehr verschieden umgesetzt wird. In einer Umfrage unter 3.400 Schüler_innen zeigt sich, Politische Bildung für Schüler_innen von Gymnasien ist oftmals nicht nur umfangreicher, sondern die Schüler_innen am Gymnasium schätzen ihn als abwechslungsreicher und partizipativer ein als die Schüler_innen an anderen Schulformen. Ungleiche Teilhabemöglichkeiten an politischer Bildung spiegeln sich auch in den politischen Einstellungen der Schüler_innen wider.

Der Landesverband der DVPB Hessen unterstützt die Forderung der Autorinnen nach einer Stärkung der politischen Bildung an allen Schulen, weil sich herkunftsbedingte Unterschiede der Schüler_innen im Zugang zur politischen Bildung nicht durch die Wahl der Schulform verstärken dürfen.

Link zu einer Zusammenfassung der Studie: http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/15466.pdf

Die vollständige Studie findet sich zum Download unter http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/15611.pdf

Neuer Landesvorstand

Foto DVPB Landesvorstand 2019-04-09

Am 13. Februar hat der Landesverband Hessen in Frankfurt einstimmig einen neuen Vorstand gewählt: Benedikt Widmaier wurde zum 1. Vorsitzenden, Susann Gessner zur 2. Vorsitzenden und Christoph Bauer zum Schatzmeister gewählt.

Jörn Bollinger, Anka Bruns-Junker, Mirjam Durchholz, Andreas Eis, Sara Greco, Juliane Hammermeister, Philipp Klingler, Hans-Joachim Kraschewski, Maria Meixner, Marcel Studt und Martina Tschirner ergänzen den Vorstand als Beisitzer/innen.

Der hessische Landesverband bedankt sich bei seinem bisherigen 1. Vorsitzenden Bernd Overwien für seine langjährige, engagierte Vorstandsarbeit. Als Professor für Didaktik der politischen Bildung an der Universität Kassel und als Vorsitzender unseres Verbandes hat er sich in der Vernetzung von schulischer und außerschulischer politischer Bildung in Hessen verdient gemacht. Vor seiner anstehenden Emeritierung an der Universität Kassel trat er nun nicht mehr zur Wahl an.

Die Mitglieder des neuen Landesvorstands setzen sich aus verschiedenen Praxisfeldern der politischen Bildung zusammen: Schule, außerschulische Bildungseinrichtungen und Universität. Der neue Landesvorstand will an die Arbeit des bisherigen Vorstands anknüpfen: Ein Schwerpunkt wird in nächster Zeit vor allem auf der Vernetzung mit der schulischen politischen Bildung und deren Akteuren (Studienseminare, Fachleiter/innen, Politiklehrer/innen etc.) liegen. Darüber hinaus wird angestrebt, die bereits bestehende Kooperation zwischen schulischer und außerschulischer politischer Bildung zu intensivieren. Im Lichte der Koalitionsvereinbarung in Hessen werden wir uns außerdem mit der Ankündigung der Landesregierung, die politische Bildung an Schulen zu stärken, intensiv beschäftigen und den Prozess kritisch-konstruktiv begleiten.

SAVE THE DATE

Vom 30.09. bis zum 01.10.2019 findet eine von der DVPB Hessen und dem Haus am Maiberg getragene Fachtagung unter dem Titel „Das Politische in unpolitischen Disziplinen“ statt. Durch die Tagung sollen Vertreter/innen naturwissenschaftlicher, sprachlicher, kulturell-bildender u. a. Disziplinen mit sozialwissenschaftlichen Vertreter/innen zusammengebracht und nach dem politischen Gehalt der Fächer befragt werden. Es wird darüber diskutiert werden, welche Bedeutung das Politische in der schulischen und außerschulischen Bildung zukommt. Dabei geht es auch um die Frage, inwiefern politische Bildung als Unterrichtsprinzip in allen Schulfächern eine Rolle spielen kann und sollte. Veranstaltungsort ist das am Haus am Maiberg (Heppenheim). Weitere Informationen zum Tagungsprogramm und zur Anmeldung folgen (u. a. auf dieser Website).

In Gedenken an Volker Nitzschke

Mit großer Trauer und Bestürzung nehmen wir Abschied von Prof. em. Dr. Volker Nitzschke, der am 16. November 2018 verstarb. Nitzschke war von 1973 bis 1996 Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Seine Schwerpunkte lagen in der Didaktik der Sozialwissenschaften und der Politischen Bildung. Sein Engagement und sein Wirken für die Politische Bildung und die Lehramtsausbildung in Hessen und darüber hinaus bleiben uns in guter Erinnerung.